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Hinweis zur Ausstellung „jüdisches Leben in Schweich“

Jüdisches Leben in Schweich
Für die Dauer der Ausstellung „Deine Anne“ in Schweich befindet sich die Ausstellung „Jüdisches Leben in Schweich“ in der Sparkasse.


Grußwort – Ministerpräsidentin Malu Dreyer

MP_Dreyer_Biscotti_4778Sehr geehrte Herren und Damen,
liebe Besucher und Besucherinnen der Ausstellung,
in diesem Frühjahr jährte sich der Todestag von Anne Frank zum siebzigsten Mal. Dazu wird in den Räumen der Synagoge Schweich die Wanderausstellung „Deine Anne – ein Mädchen schreibt Geschichte“ zu sehen sein. Begleitet wird die Ausstellung durch ein umfangreiches Rahmenprogramm – unter anderem finden Lesungen, eine Studienfahrt sowie Zeitzeugengespräche statt – sodass Besucher und Besucherinnen die Möglichkeit haben, Einblicke in die damalige Zeit zu gewinnen.
Die beeindruckende Dokumentation bietet tiefgreifende Einblicke in das Leben von Anne Frank. Die Ausstellung erzählt sowohl von den ersten Jahren in Frankfurt am Main, vom Verlust der deutschen Staatsbürgerschaft und der Flucht nach Amsterdam im Jahre 1934 als auch von der schweren Zeit im Versteck bis hin zu den letzten sieben Monaten im Durchgangslager Westerbork und in den Konzentrationslagern Auschwitz und Bergen-Belsen.
Die persönliche Geschichte von Anne Frank und ihrer Familie bietet einzigartige und authentische Einblicke in die Zeit des Nationalsozialismus in Europa – gleichzeitig ist Anne Franks Tagebuch ein wertvoller Teil der historischen Erinnerung. Aus der deutschen Geschichte leitet sich große Verantwortung ab, die Aufarbeitung unserer Historie ist deshalb eine unabdingbare Voraussetzung für eine Zukunft in Frieden und Freiheit.
Ausstellungen wie „Deine Anne – ein Mädchen schreibt Geschichte“ tragen dazu bei, die Erinnerungskultur in Deutschland zu pflegen und helfen insbesondere auch einem jüngeren Publikum, die deutsche Vergangenheit besser zu verstehen. Die Ausstellung ist ein Beitrag gegen das Vergessen, gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung – und für mehr Toleranz und Menschenrechte. Sehr gerne habe ich deshalb die Schirmherrschaft über dieses so wichtige Projekt übernommen.

Ihre

Malu Dreyer
Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz


Grußwort – Bischof Dr. Stephan Ackermann

ackermann2Liebe Besucherinnen und Besucher,
vor wenigen Wochen erst konnte ich zum ersten Mal die KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besuchen. Dieser Ort war für mich gleichermaßen erschütternd wie auch berührend. Erschütternd, weil man das Ausmaß von menschenverachtenden Verbrechen, von Leid und Tod nicht fassen kann. Berührend, weil inmitten dieser „Hölle“ Hoffnung und Menschlichkeit nicht ausgemerzt werden konnten. Ich denke z.B. an Maximilian Kolbe, der für einen Familienvater in den sicheren Tod im sogenannten Hungerbunker gegangen ist. So sehr der Ort erschüttert und berührt, umso mehr noch tun dies die vielen bekannten und unbekannten Menschen und ihre Schicksale, die sich mit diesem Ort verbinden.
Eine dieser Menschen ist Anne Frank. Ihr Tagebuch ist längst fester Bestandteil der deutschen Literatur geworden; viele Menschen, vor allem auch viele Jugendliche, haben es gelesen. Diese Ausstellung erzählt das Leben von Anne Frank: von den ersten Jahren in Frankfurt am Main und der Flucht vor den Nationalsozialisten, über ihre Zeit in Amsterdam – glückliche Kindheit und schwere Zeit im Versteck – bis zu den letzten sieben Monaten in den Lagern Westerbork, Auschwitz und Bergen-Belsen, wo sie schließlich den Tod gefunden hat. So führt sie uns mitten hinein in die dunkle Zeit unserer Geschichte, in die Zeit des Nationalsozialismus, der Judenverfolgung, des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs.
Ich bin den Verantwortlichen des Dekanates Schweich-Welschbillig dankbar, dass sie uns diese Ausstellung zugänglich machen. Als Deutsche müssen wir uns dieser Geschichte stellen, um aus ihr für die Zukunft und unser Miteinander zu lernen. Für uns als Christen hält diese Ausstellung in dem Mädchen Anne Frank stellvertretend das Gedächtnis an alle Opfer wach und zeigt uns, dass bei Gott kein Name und kein Leben einfach verschwinden, auch nicht in der tiefsten Dunkelheit. Dafür steht der Name Anne Frank, den viele Menschen kennen und der durch diese Ausstellung hoffentlich noch bekannter wird.
Auch gerade als Christen können und müssen wir auf Menschen wie Anne Frank schauen. „Sie rütteln unser Gedächtnis auf, sie rütteln unser Herz auf. … Sie wollen den Mut zum Guten, zum Widerstand gegen das Böse in uns wecken. Sie wollen uns zu jener Gesinnung bringen, die sich in den Worten ausdrückt, die Sophokles der Antigone angesichts des Grauens um sie herum in den Mund gelegt hat: „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da“ (Papst Benedikt XVI. 2006 bei seinem Besuch in Auschwitz). Wer das erfasst, der ahnt auch etwas vom Geheimnis des Kreuzes Christi, der Mitte unseres Glaubens.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen nachdenkliche Momente bei der Begegnung mit Anne Frank. Möge ihre Geschichte uns Anregung und Mahnung sein für unser Glauben und Handeln als Menschen in dieser Welt.

Trier, im Juli 2015

Ihr

Dr. Stephan Ackermann
Bischof von Trier


Grußwort – Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland Daniel Botmann

BotmannSehr geehrte Damen und Herren,
liebe Besucherinnen und Besucher der Ausstellung,
ich danke Ihnen herzlich für die Gelegenheit anlässlich der Ausstellungseröffnung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“, dieses Grußwort an Sie richten zu können, auch wenn ich heute leider nicht persönlich anwesend sein kann.
Anne Frank – ein Name, der nicht nur für ein Schicksal eines kleinen Mädchens an der Schwelle zum Erwachsensein steht. Anne Frank ist mit ihrer Geschichte für viele Menschen geradezu ein Symbol für den Völkermord an den Juden geworden. Sie steht für die Geschichte der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie, die nicht erst mit Auschwitz begann.
Nein, die Geschichte des Völkermordes begann viel früher. Sie begann mit Diffamierung, mit Ausgrenzung, mit Stigmatisierung, mit der Aberkennung von Bürgerrechten – mit der Zuweisung, dass Juden und andere Minderheiten als „die Anderen“ galten. Diejenigen, die nicht dazugehörten. Wir erleben durch das Tagebuch der Anne Frank, wie die Bedrohung wächst, wie sich das gesellschaftliche Klima Schritt für Schritt verändert. Anne Franks Tagebuch legt Zeugnis ab von beginnender Entrechtung, der unvermeidlichen Flucht, schildert, die schreckliche Zeit im Versteck und vom entsetzlichen Ende, für das so grauenvolle Namen wie Auschwitz und Bergen-Belsen stehen, die für immer in das kollektive Gedächtnis der Menschheit eingebrannt sein werden.
Aber Anne Frank ist eben noch viel mehr als das. Sie ist nicht nur eine herausragende Chronistin ihrer Zeit. Sie ist nicht nur Opfer, sondern eben auch ein ganz normales junges jüdisches Mädchen. Mit all ihren Träumen, Hoffnungen, Wünschen – mit normalen Alltagssorgen, mit Ecken und Kanten, mit Widersprüchen. Mit Witz und Humor. Mit all den Problemen, die Jugendliche in der Pubertät durchleben. Probleme, die sie mit den jungen Menschen von heute in aller Welt verbinden – und damit ist sie auch, was zu Recht als eine Art „pädagogischer Glücksfall“ bezeichnet worden ist. Anne Frank ist keine „Ikone des Holocaust“, sie ist kein „Mahnmal gegen das Vergessen“.
Vielmehr ist sie durch ihr Tagebuch erfahrbar, als ein Mensch aus Fleisch und Blut. Ein junges jüdisches Mädchen, das sich mit sich selbst und seiner Umgebung auf außergewöhnliche Weise auseinandersetzt. Damit baut sie eine Brücke in das Hier und Jetzt. Eine Brücke zu all den jungen Menschen, die sich heute in Deutschland, Europa und der Welt mit sich selbst und der Geschichte auseinandersetzen. Und die ihre eigenen Antworten auf die Frage finden müssen, wie das Wissen um den Holocaust weitergegeben werden kann und welche Lehren sie daraus für ihr Leben und ihre Zeit ziehen. So erschließen sich durch die Begegnung mit Anne Frank geschichtliche Horizonte, die nicht mit erhobenem Zeigefinger transportiert werden, sondern hier spricht eine Jugendliche zu anderen Jugendlichen.
So wird das Gespräch mit und über Anne Frank nicht nur zu einem Gespräch über das Gestern, sondern auch über das Heute. Ein Gespräch über Menschheitsfragen, über Glaube, Ethik, das Zusammenleben von Menschen – auch unterschiedlicher Herkunft in einer pluralen Gesellschaft.
Kaum ein Thema könnte angesichts globaler Flüchtlingsbewegungen aktueller sein – kein Thema spannender. So können Jugendliche durch die Beschäftigung mit der Vergangenheit wachsen, gemeinsam Antworten auf die Fragen unserer Zeit suchen und finden. Ich bin sicher, Anne Frank hätte das gefreut.
Was für ein großartiges Projekt, dem man nur von Herzen viel Erfolg und viele Besucher wünschen kann!

Berlin, September 2015

Ihr

Daniel Botmann
Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland